Doppellonge für Anfänger: Gesund trainieren – klar kommunizieren

Du möchtest mit der Doppellonge starten? Dieser Artikel zeigt Anfängern, wie gesundes Pferdetraining durch klare Kommunikation gelingt. Entdecke wertvolle Tipps für eine gemeinsame Sprache am Boden, ganz ohne Reitergewicht.

Zwei Longen in der Hand – und plötzlich sollen die eigene Position, die Leinenführung und die Reaktion des Pferdes gleichzeitig stimmen?

Die Doppellonge für Anfänger wirkt zunächst anspruchsvoll. Dabei geht es am Anfang nicht darum, möglichst schnell viele Lektionen zu erarbeiten. Es geht darum, eine gemeinsame Sprache aufzubauen.

Die Arbeit an der Doppellonge ist für mich weit mehr als Longieren mit zwei Leinen. Sie eröffnet einen Raum, in dem Mensch und Pferd lernen, genauer aufeinander zu reagieren. Eine klare und ruhige Kommunikation gibt dem Pferd Orientierung. Gleichzeitig entstehen für den Menschen abwechslungsreiche Trainingsmöglichkeiten, ohne dass das Pferd Reitergewicht tragen muss.

In meiner Arbeit mit Jungpferden, Korrekturpferden und Mensch-Pferd-Teams nutze ich die Doppellonge zur Vorbereitung auf das Reiten, zum Muskelaufbau und zur verständlichen Vermittlung neuer Bewegungsaufgaben. Entscheidend ist dabei nicht, wie viele Übungen ein Pferd bereits kennt. Entscheidend ist, ob unsere Hilfen für das Pferd nachvollziehbar sind.

📌 Das Wichtigste in Kürze

  • Die Doppellonge ermöglicht eine beidseitige Kommunikation vom Boden aus.
  • Dein Pferd muss dafür die Einzellonge nicht beherrschen.
  • Körpersprache und Position der longierenden Person beeinflussen die Bewegung deutlich.
  • Das Pferd sollte schrittweise an die äußere Longe gewöhnt werden.
  • Leichte Signale und ein rechtzeitiges Nachgeben erleichtern das Lernen.
  • Ein Roundpen oder Longierzirkel bietet Anfänger zunächst eine hilfreiche äußere Begrenzung.
  • Für den gemeinsamen Einstieg ist eine erfahrene Begleitung empfehlenswert.

Was ist eine Doppellonge?

Eine Doppellonge besteht aus zwei einzelnen Longen oder zwei miteinander verbundenen Leinen, mit denen das Pferd von innen und außen begleitet werden kann.

Während die Einzellonge hauptsächlich eine Verbindung zur inneren Seite herstellt, gibt die zweite Longe zusätzliche Möglichkeiten. Sie kann die äußere Schulter und die Hinterhand einrahmen, Handwechsel vorbereiten und später eine feinere Übertragung auf das Reiten ermöglichen.

Die Doppellonge soll das Pferd dabei nicht in eine bestimmte Haltung ziehen. Sie hilft vielmehr, Bewegungsrichtung, Tempo und Körperausrichtung verständlicher zu begleiten.

Einzellonge oder Doppellonge – wo liegt der Unterschied?

EinzellongeDoppellonge
Eine direkte Verbindung nur zur inneren SeiteVerbindung zur inneren und äußeren Seite
Keinen direkten Einfluss auf Äußere Begrenzung Die äußere Longe kann Schulter und Hinterhand zusätzlich begleiten
Für einfache Übergänge und Kreisarbeit geeignetErmöglicht später auch Handwechsel, Hufschlagfiguren und Seitengänge
Weniger Material in der HandHöhere Anforderungen an Koordination und Leinenführung
Das Pferd kann mit der Hinterhand  und Schulter leichter nach außen ausweichenDie äußere Seite kann klarer eingerahmt werden

Die Doppellonge ist deshalb nicht automatisch „besser“ als die Einzellonge. Sie ist ein anderes Werkzeug mit erweiterten Möglichkeiten. Ihre Qualität entsteht nicht durch die zweite Leine, sondern durch die Art, wie wir sie einsetzen. Die Biomechanischen Vorteile der Doppellonge für das Pferd im Vergleich zu der Einzellonge werden in einem weiteren Blog Artikel beschrieben.

Welche Vorteile bietet die Doppellonge?

Die Doppellonge kann den Muskelaufbau, die Balance, die Losgelassenheit und die Geraderichtung des Pferdes unterstützen. Außerdem kann sie dabei helfen, neue Bewegungsaufgaben zunächst ohne Reitergewicht zu erklären.

Ich nutze sie unter anderem:

  • zur Vorbereitung von Jungpferden auf den ersten Reiter,
  • zum behutsamen Wiederantrainieren,
  • zur abwechslungsreichen Gymnastizierung,
  • zur Arbeit an Übergängen und Tempounterschieden,
  • zur Vorbereitung von Hufschlagfiguren und Seitengängen,
  • zur Beobachtung von Bewegungsmustern und Seitenunterschieden,
  • zur Übertragung bereits verstandener Hilfen auf das Reiten,
  • zur Korrektur von Hilfen und Bewegungsabläufen.

Ohne Reitergewicht auf dem Rücken kann ich genauer sehen, wie das Pferd seinen Körper organisiert. Fällt eine Schulter nach innen? Weicht die Hinterhand aus? Wird eine Hand deutlich schwieriger? Reagiert das Pferd auf ein Signal oder versucht es noch herauszufinden, was gemeint ist?

Gerade hier zeigt sich für mich der Wert der Doppellonge: Sie macht kleine Zusammenhänge sichtbar.

Was muss der Mensch zuerst lernen?

Bevor dein Pferd die Doppellonge verstehen kann, brauchst du selbst eine Vorstellung davon, welche Information deine Hilfen vermitteln sollen.

Viele Pferdebesitzer benötigen zunächst Orientierung bei drei Punkten:

  1. der eigenen Körperposition,
  2. der geordneten Longenführung,
  3. der Abstimmung zwischen Körpersprache und Leinenhilfe.

Zwei Leinen verzeihen kein inneres Durcheinander. Ziehen die Hände rückwärts, während der Körper das Pferd vorwärts schickt, entstehen widersprüchliche Informationen.

Die Körperposition beeinflusst die Bewegungsrichtung

Ich positioniere mich grundsätzlich in einem 45-Grad-Winkel zum Pferdekopf.

Von dort kann ich die Vorwärtsbewegung unterstützen, ohne das Pferd von hinten durch zusätzlich Hilfsmittel zu treiben oder frontal zu blockieren.

Positioniere ich mich zu sehr in dem sogenannten Dreieck mit dem Pferd, kann sich der Zug der äußeren Longe ungünstig auf das äußere Hinterbein auswirken. Positioniere ich mich zu weit an oder vor der Schulter des Pferdes, bremse ich möglicherweise ungewollt.

Beispiel: Das ein Pferd auf dem Zirkel langsamer wird oder nach innen dreht, kann vermuten lassen, es sei unmotiviert. Verändert die longierende Person ihre eigene Position nur um wenige Schritte, wird die Aufgabe für das Pferd plötzlich verständlich. Nicht mehr Energie war nötig, sondern eine klarere Ausrichtung.

Wie lernt das Pferd die äußere Longe kennen?

Das Pferd sollte die Berührung der äußeren Longe zunächst ohne zusätzliche Aufgabe kennenlernen.

Die Longe sollte nicht wie ein plötzliches Fragezeichen an der Hinterhand auftauchen. Ich bereite diese Berührung deshalb getrennt von der eigentlichen Doppellongenarbeit vor.

Zunächst lasse ich das Pferd im Stand und im weiteren Verlauf beim geführten Schritt erleben, dass die Longe seine Seite und die Hinterhand berühren kann.

Studien zeigen, dass Pferde innerhalb weniger Wiederholungen auf deutlich leichtere Signale reagieren können, wenn das Signal eindeutig aufgebaut wird.

Muss mein Pferd vorher die Einzellonge kennen?

Nein. In meinem Trainingsaufbau ist die Einzellonge keine Voraussetzung.

Du wirst häufig lesen, dass ein Pferd vor der Doppellonge sicher an der Einzellonge gearbeitet werden sollte. Ich bereite stattdessen die einzelnen Bestandteile gezielt vor:

  • Vorwärtsgehen auf ein verständliches Signal,
  • Beschleunigen und Entschleunigen,
  • Abstand zum Menschen halten,
  • Körpersprache lesen,
  • Berührung durch die äußere Longe akzeptieren,
  • auf leichte Signale reagieren.

Ein Pferd, das diese Grundlagen versteht, kann die Doppellonge Schritt für Schritt kennenlernen – auch wenn es zuvor nicht klassisch longiert wurde.

Welche Ausrüstung brauchst du?

Für die Doppellonge für Anfänger benötigst du keine vollständig neue Ausrüstung. Sie muss jedoch passen, sicher sein und eine störungsfreie Leinenführung ermöglichen.

AusrüstungHinweise
Doppellonge oder zwei einzelne LongenBei zwei einzelne Longen sollten die Schlaufen am Ende zusammengenäht werden  
LongiergurtFür Anfänger meist die übersichtlichste Lösung zur Leinenführung.
Alternativ ein SattelDie Steigbügel können unter fachkundiger Anleitung/Verschnallung als Führung dienen.
Gut sitzende ZäumungZu Beginn arbeite ich häufig gebisslos.

Ich bevorzuge zu Beginn häufig ein korrekt angepasstes Dually-Halfter. Eine andere gut sitzende gebisslose Zäumung kann ebenfalls geeignet sein. Auch gebisslose Ausrüstung wirkt über Druck. Alle Zäumungen müssen passend verschnallt und mit einer fein dosierten Hand verwendet werden.

Untersuchungen zu Leinensignalen zeigen, dass sowohl Gebisse als auch gebisslose Zäumungen Druck auf empfindliche Strukturen ausüben. Bei länger anhaltender oder stärkerer Spannung traten mehr Abwehrreaktionen von Kopf, Hals und Maul auf. Entscheidend bleiben daher leichte Signale, verständliches Timing und rechtzeitiges Nachgeben.

Achtung bei der Nutzung von Steigbügeln

Sicherheitssteigbügel eignen sich nicht als Führung für die Doppellonge. Öffnungsmechanismen, bewegliche Außenseiten oder elastische Elemente sind nicht für diese Belastungsrichtung vorgesehen.

Auch die Nutzung geschlossener Steigbügel sollte nicht improvisiert werden. Die Bügel müssen passend verschnallt und so gesichert sein, dass sie nicht verrutschen. Für den Einstieg ist ein gut sitzender Longiergurt meist klarer und übersichtlicher.

Longen werden außerdem niemals um Hände oder Finger gewickelt.

Warum führe ich die äußere Longe um die Hinterhand?

Meine äußere Longe verläuft grundsätzlich um die Hinterhand und nicht über den Rücken.

Dadurch kann ich die äußere Seite des Pferdes begleiten und Handwechsel durchführen, ohne jedes Mal neu verschnallen zu müssen oder die Longe über die Kruppe zu schwingen. Auch entsteht dabei keine flaschenzugartige Hebelwirkung und der Winkel auf die Zähmung sowie die Kopfstellung ist symmetrischer. 

Bevor ich so arbeite, muss das Pferd die Berührung an Hinterhand und Beinen entspannt akzeptieren.

Warum ist der Winkel der äußeren Longe wichtig?

Ich vermeide eine Position, in der die äußere Longe annähernd in einem 90-Grad-Winkel von der Hinterhand zu mir verläuft.

In dieser 9-Grad Konstellation kann die Longe über äußere Hinterbein den Zug der äußeren Zäumung beeinflussen. In meiner Beobachtung kann dadurch eine unerwünschte Außenrotation des Hinterbeins begünstigt werden.

Meine Position im 45-Grad-Winkel zum Pferdekopf hilft mir, die äußere Longe so zu führen, dass sie die Hinterhand begleitet, ohne sie seitlich wegzuziehen. Gleichzeitig bleibe ich in einer Position, aus der ich das Pferd vorwärts begleiten kann.

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Wie kann eine erste Einheit aussehen?

Eine erste Einheit an der Doppellonge darf unspektakulär sein. Zehn ruhige und verständliche Minuten sind wertvoller als zwanzig Minuten, in denen Pferd und Mensch nur noch ihre Leinen sortieren.

1. Signale am Boden überprüfen

Kann dein Pferd ruhig antreten, im Fluss und auf dem Hufschlag bleiben? Reagiert es auf deine Körperausrichtung und Stimme?

2. Einen großen Kreis wählen 

Ein Roundpen oder Longierzirkel gibt eine äußere Begrenzung vor. Dadurch musst du nicht gleichzeitig Richtung, Tempo, Longenführung und die Begrenzung gleichzeitig im Blick haben.

3. Im Fluss und auf dem Hufschlag bleiben

Beginne mit Schritt und versuche auf dem Hufschlag zu bleiben. Probiere flüssige Handwechsel. Erst wenn diese Antworten ruhig und verständlich werden, kommen weitere Anforderungen hinzu.

4. Frühzeitig beenden

Beende die Einheit, solange Pferd und Mensch noch aufnahmefähig sind. Lernen braucht keine Erschöpfung.

Wann könnt ihr vom Zirkel auf das Viereck wechseln?

Sobald dein Pferd deine Hilfen zuverlässig versteht und du beide Longen geordnet in jeder Gangart führen kannst, und Handwechsel flüssig im Schritt und Trab gelingen, könnt ihr auf ein Viereck wechseln.

Dort lassen sich nach und nach erarbeiten:

  • ganze Bahn und Zirkel,
  • verschiedene Handwechsel,
  • Schlangenlinien,
  • Tempounterschiede,
  • Übergänge,
  • Stangenarbeit,
  • Seitengänge,
  • vorbereitende Übungen für das Reiten.

Welche Fehler erschweren den Einstieg?

Zu viele Aufgaben auf einmal

Das Pferd soll vorwärtsgehen, gebogen bleiben, die äußere Longe akzeptieren und gleichzeitig einen Übergang ausführen. Für den Anfang ist das häufig zu viel.

Dauerhafter Zug auf den Longen

Die Verbindung darf nicht zu einem ständigen Festhalten werden. Ein Signal braucht einen erkennbaren Anfang und ein ebenso klares Ende.

Eine unklare Körperposition

Die Hände fordern vorwärts, während der Körper bremst – oder umgekehrt. Das Pferd reagiert dann nicht falsch. Es erhält verschiedene Antworten auf dieselbe Frage.

Lernen ohne Unterstützung

Wenn Mensch und Pferd die Doppellonge gleichzeitig neu kennenlernen, kann eine erfahrene Begleitung beide getrennt vorbereiten. Der Mensch kann die Longenführung zunächst ohne Pferd üben. Das Pferd kann die Signale mit einer Person kennenlernen, die ihre Hilfen bereits sicher koordinieren kann.

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Häufige Fragen zur Doppellonge für Anfänger

Wie lang sollte eine erste Einheit dauern?

Die Dauer richtet sich nach Konzentration und körperlicher Belastbarkeit. Für den Einstieg können wenige gut vorbereitete Minuten genügen. Beende die Einheit, bevor die Kommunikation unklar wird.

Kann ich mit zwei normalen Longen arbeiten?

Ja. Die Enden mit Schlaufen sollten jedoch vernäht sein. Achte außerdem darauf, dass Material und Karabiner leicht und funktionstüchtig sind.

Ist ein Gebiss notwendig?

Nein. Der Einstieg ist auch mit einer passenden gebisslosen Zäumung möglich. Unabhängig von der Ausrüstung müssen Druck und Leinenzug fein dosiert werden.

Brauche ich einen Roundpen?

Ein Roundpen oder Longierzirkel ist nicht zwingend notwendig, erleichtert den Einstieg jedoch. Die äußere Begrenzung hilft dem Pferd, die gewünschte Linie zu erkennen.

Kann ich die Doppellonge ohne Unterricht lernen?

Grundlagen lassen sich theoretisch vorbereiten. Da Körperposition, Leinenführung und Timing gleichzeitig wirken, ist eine erfahrene Begleitung beim praktischen Einstieg empfehlenswert.

Fazit: Erst verstehen, dann verfeinern

Die Doppellonge für Anfänger beginnt nicht mit Seitengängen oder einer bestimmten Kopf-Hals-Haltung. Sie beginnt mit verständlichen Signalen.

Dein Pferd soll erkennen können, was du von ihm möchtest. Du wiederum brauchst die Möglichkeit zu beobachten, ob deine Körpersprache, deine Position und deine Longenführung dieselbe Information vermitteln.

Wenn diese Grundlagen stimmen, wird die Doppellonge zu einem vielseitigen Werkzeug. Du kannst dein Pferd ohne Reitergewicht gymnastizieren, auf neue Aufgaben vorbereiten und Bewegungszusammenhänge genauer wahrnehmen.

Gesundes Training entsteht dabei nicht durch möglichst starke Einwirkung. Es entsteht durch Klarheit, passende Anforderungen und das gemeinsame Gefühl: Diese Aufgabe kann ich verstehen.

Wenn du die Doppellonge gemeinsam mit deinem Pferd erlernen möchtest, bereite ich zunächst euch beide auf eure jeweiligen Aufgaben vor. Anschließend entsteht Schritt für Schritt eine Kommunikation, die auch dann verständlich bleibt, wenn zwei Longen, vier Beine und ziemlich viele kleine Details zusammenkommen.

Quellen

  • Eisersiö, M., Yngvesson, J., Byström, A., Baragli, P. & Egenvall, A. (2021): A rein tension signal can be reduced by half in a single training session. Applied Animal Behaviour Science, 243, 105452.
  • Eisersiö, M., Byström, A., Yngvesson, J., Baragli, P., Lanata, A. & Egenvall, A. (2021): Rein Tension Signals Elicit Different Behavioral Responses When Comparing Bitted Bridle and Halter. Frontiers in Veterinary Science, 8, 652015.
  • Pfau, T., Persson-Sjodin, E., Gardner, H., Orssten, O., Hernlund, E. & Rhodin, M. (2021): Effect of Speed and Surface Type on Individual Rein and Combined Left–Right Circle Movement Asymmetry in Horses on the Lunge. Frontiers in Veterinary Science, 8, 692031.

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